Sonntag, 23. Oktober 2011

1 und 1/7 weitere Wochen in Colorado


Nachdem sich mein letzter Blogeintrag so großer Beliebtheit erfreute, anstatt Menschen zu langweilen, dachte ich, ich mach das gleich noch mal. Diesmal mit etwas weniger Text und dafür mehr Bildern.

Samstag, 15. Oktober
Ich hatte beschlossen, diesen Samstag absolut nichts zu arbeiten, was mir mit etwas Selbstkontrolle auch gelang. Der Tag startete extrem entspannt. Ich stand recht spät (das soll heißen: um 9. Ich bin hier total zum Morgenmensch mutiert. Ich gehe ungern später als 12 ins Bett (eher so um 10) und fange meistens schon während des Frühstücks an zu arbeiten) auf, trank in aller Ruhe meinen Kaffee und machte danach Sport. Jaha, ich halte das total diszipliniert durch, auch hier in den USA. Hier ist es auch besonders nötig. Am Anfang war ich nicht so diszipliniert mit dem Ergebnis, dass mir nach zwei Wochen eine Hose nicht mehr passte. Da ich nur drei lange Hosen dabei habe, war das eine recht ungünstige Situation. Nach dem Sport hatte ich meine erste Begegnung mit Proteinpulver, was erschreckend eklig schmeckte. Den Rest des Tages verbrachte ich damit, in einem Thriftstore für 2 Dollar ein Schneidbrett, ein scharfes Messer, Messbecher und 4 Löffel zu kaufen und danach etwas aus meinem tollen neuen veganen Kochbuch, welches ich in einem ziemlich coolen Buchladen in Denver erstanden hatte (er ist zwar ziemlich super, aber LANGE nicht so cool wie der Büchers Best (auch bekannt als Katzenbuchladen) in Dresden. Kein Buchladen wird je so cool sein)) zu kochen. Tofu in Kürbiskernkruste mit gebackenem Kürbis und Cranberrysoße. Es war deliziös und ich kann es auch Menschen, denen das Ökodasein suspekt oder gar zuwider ist, empfehlen, weil es nämlich einfach total geil geschmeckt hat.
Abends waren wir noch auf T.s[1] Geburtstagsfeier. Ich hab die ersten paar Stunden damit verbracht, mich mit R.[2] und N.[3] ausführlichst über Harry Potter zu unterhalten. Jaa, ganz werde ich meine Nerdigkeit wohl nie los, auch hier nicht. Ist aber auch gar nicht mein Ziel. Als ich mir in der Küche Wasser holen wollte, wurde ich von L.[4] aufgehalten mit den Worten: „Do you want a drink? Not that you are any spezial to me, but you just walked by“. Dieser überaus charmanten Aufforderung konnte ich natrürlich nicht widerstehen. Der Drink war aber auch sehr lecker. Ginger Beer, Vodka und Limettensaft. Irgendwie blieb ich dann in der Küche hängen mit L. und ein paar anderen (die Geschichte endet übrigens nicht damit, dass ich mit L. schlafe, um das schon mal vorwegzunehmen), unter anderem An.[5]. Mit dieser und L. landeten M.N. und ich dann irgendwann bei uns zu Hause zwecks Konsum bouldertypischer Substanzen. Wir erörtertem dort dann auch die überaus wichtige Frage, ob man lieber auf Computer oder Sex verzichten oder für den Rest des Lebens mit einem Würfelbecher an der Stirn herumlaufen würde. An. wählte den Computer und L. Sex. Er ist mir sympathisch. Abgesehen davon erheiterte uns An. mit Geschichten über den Konsum verschiedener Dinge. Ich war sehr erheitert, auch wenn ich den Geschichten irgendwann nicht mehr folgen konnte. Am Ende der Story hatte ich den Anfang schon wieder vergessen.

Sonntag, 16. Oktober
Wir mussten trotz der Party am Vortag schon um 8 aufstehen, um mit A. und S. in den Rocky Mountains National Park zu fahren. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wunderschöne Natur und coole Tiere, auch wenn wir leider weder Pumas noch Bären gesehen haben L. Dafür aber Elche, die aber gar keine richtigen Elche sind. Richtige Elche sind nämlich Moose und das waren Elks. Im europäischen Raum nennt man aber die Moose Elks und die Elks irgendwas ganz anderes. Sehr verwirrend.
Nachdem wir da den ganzen Tag unterwegs waren, sind wir noch essen gegangen. Sweet Potato Fries sind sooo gut. Danach hab ich noch was gegessen, was Bread Pudding hieß und auch lecker war. Ich mag es, neue Dinge zu essen. Nach dem Essen war ich todmüde und bin, als wir zu Hause waren, sofort ins Bett gegangen. Das war um 8.










Montag, 17. Oktober
Der Tag war recht ereignislos. Ich war halt in der Uni, habe Daten erhoben usw. Die ganze Woche war in der Uni eigentlich nur Datenerhebung. Abends haben wir auch nichts aufregendes gemacht. Ich habe Nudeln mit roten Zwiebeln, Kürbis und Bacon gemacht und dazu Cranberrysoße gegessen. Es war deliziös.

Dienstag, 18. Oktober
Ich hab den ganzen Tag Daten erhoben, dabei Artikel gelesen und mich dann mit Leaf getroffen, um die Ergebnisse meiner Studie zu diskutieren. Es kam überhaupt nicht das heraus, was wir erwartet haben, aber dafür etwas seltsames. Jetzt wollen wir die Studie noch mal machen, um zu sehen, ob das nur Zufall war oder wirklich ein Effekt ist.
Am Abend waren M.N., A. und ich bei S., um chinesisches Essen zu uns zu nehmen und eine Zombiesendung, die sich The Walking Dead nennt zu sehen. Glee kommt nämlich erst im November wieder. Pff. Aber Zombies sind auch lustig. Und der Sesamtofu war lecker.

Mittwoch, 19. Oktober
An diesem Abend waren An. und L. abends bei uns. Wir haben Wein und einen sehr leckeren Cocktail (der viel zu schnell betrunken macht) getrunken, seltsame Persönlichkeitstests im Internet gemacht (ich habe laut dem Test den Typ „INTJ, was für „introverted, intuitive, thinking, judgement“ steht und scheinbar bedeutet, dass ich meine Energie auf mich fokussiere, abstrakt denke, objektive Kriterien mag und gerne plane.) und gequatscht. Ich war erstaunt, dass L. überhaupt kam, denn ich befürchtete, ihn verstört zu haben. Scheinbar aber nicht effektiv genug. L. und ich haben außerdem an dem Abend eine Wette abgeschlossen, wer es schneller schafft luzid zu träumen mit bestimmten Techniken. Mir ist es bisher noch nicht gelungen, aber das dauert wohl auch eine Weile.

Donnerstag, 20. Oktober
Bester Tag ever! Wir (M.N., Al.[6] und ich) waren rock climbing! So mit Seilen und so an einer Felswand hoch, mitten in den Bergen! Es war definitiv eine der coolsten Sachen, die ich je gemacht hab und ich kann es allen Menschen nur wärmstens empfehlen. Man trägt dabei so komische Schuhe, mit denen man erstaunlich gut Halt findet. An einigen Stellen (wenn man über einen Überhang drüber musste), kam ich mir wie Mufasa im König der Löwen vor. Glücklicherweise bin ich aber nicht in die Schlucht gefallen. Aber obwohl man ja weiß, dass man eigentlich sicher ist, klammert man sich mit aller Kraft an die kleinsten Vorsprünge im Felsen.


An dem Tag habe ich mich wirklich in Colorado verliebt. Ich kann mir im Moment keinen Ort vorstellen, an dem ich lieber wohnen würde, auch wenn es schon schön wäre, ein paar der lieben Menschen aus Deutschland hierher umzusiedeln.
Danach waren wir indisch essen. Ich habe es „spicy“ bestellt und es war dann auch wirklich scharf. Und sehr lecker.





Freitag, 21. Oktober
Der Tag war ziemlich stressig. Sport, Uni, nach Hause. Dort war ich dann erstmal sehr glücklich, da meine neue Kreditkarte endlich da war. Ich hatte meine etwa einen Monat vorher verloren und musste mir nun ständig Geld leihen, was mir total unangenehm ist. Jetzt hatte ich jedenfalls wieder eine und konnte mich dem Konsum hingeben, was ich auch direkt tat, zuerst in einem Second-Hand-Laden, in dem ich mir eine Hose und ein zombifizierbares Outfit gekauft habe. Letzteres war für den Denver Zombie Crawl am Tag danach (siehe Samstag). Wir waren außerdem bei Spooners, dem Frozen Yoghurt Laden, den ich in meinem letzten Eintrag erwähnt habe (sooo toll! Ich möchte so einen in Deutschland haben!) und einige andere Dinge erledigen.
Danach waren wir bei A. auf einer Party mit dem Motto „Fuck Fall“. Man sollte in Skiklamotten kaufen. Es waren viele Leute da, die ich gerne mag und ich habe gegrillte Marshmallows gegessen. Es war nur doof, dass wir recht bald gehen mussten, weil wir am nächsten Tag nach Denver gefahren sind, und die Party erst um 8 losging. Ich weiß, das ist eigentlich recht früh, aber hier fängt alles immer schon um 6 an. Das ist perfekt, weil man so viel Zeit hat, dort zu sein, auch wenn man nicht bis 4 Uhr morgens bleiben kann. Meinem Schlafrhythmus hier kommt das sehr entgegen.

Samstag, 22. Oktober
Zombiecrawl! Das ist ein jährliches Event in Denver, in dem man sich als Zombie verkleidet und dann durch Denver läuft und in Bars geht. Das Ziel war es diesmal, den Weltrekord der meisten Menschen, die als Zombies verkleidet sind, an einem Ort zu brechen (den hielt Seattle oder so), wofür man 5000 Zombies brauchte. Wir waren über 7000! Ha! Wir waren leider total spät dran, aber unsere Verkleidung war ziemlich episch. Ich war dort mit M.N., A., An. und E.[7], aber weil ich nicht weiß, ob es denen passt, wenn ich hier Fotos von ihnen reinstelle, gibt’s nur Fotos von mir. Der Rest sah aber nicht minder creepy aus. Außer A. A. ist zu niedlich, um creepy auszusehen.





[1] T. ist auch Psychomensch. Er ist verheiratet, singt gerne (und gut) Karaoke und hat die israelische und kanadische Staatsbürgerschaft. Abgesehen davon ist er ironischerweise etwa der einzige, der meine (nicht ernst gemeinten) Nazikommentare nicht offensive findet.
[2] R ist Ts Frau. Sie hat ihn gezwungen, sie zu heiraten. Alle Frauen hier scheinen total heiratsbesessen zu sein. Für mich bleibt das ein Mysterium.
[3] N. ist Franzose. Entgegen aller Vorurteile ist sein Englisch aber richtig gut und mit niedlichem französischen Akzent.
[4] L. ist ein griechischer Gott. Zumindest sieht er so aus, vor allem, wenn man ihn nur mit einem Handtuch bekleidet sieht. Ich glaube ungefähr jede Person hier, die auch nur ansatzweise auf Männer steht, möchte mit ihm schlafen. Ich frage mich in diesem Zusammenhang, warum Zeus sich dauernd in irgendwelche komischen Tiere verwandelt hat, um herumzuvögeln. Wenn ich die Wahl zwischen L. und ’nem Schwan hätte….
[5] An. ist total super. Sie hat irgendwie mit 19 ihr erstes Kind bekommen, ist verheiratet und hat 2 (?) Kinder inzwischen, von denen die jüngste 12 ist. Sie ist (abgesehen von meiner eigenen Mutter und meiner Schwiegermutter) vermutlich die coolste Mutter ever. Sie hat außerdem, im Gegensatz zu allen Vorurteilen von Frauen, die mit 19 ungewollt schwanger werden, ihren Doktor und ist überhaupt nicht dumm.
[6] Al. ist ein Typ aus Denver, den ich über undefinierbar viele Ecken kenne und dann in Denver getroffen habe, als ich dort mit M.N. war. Er ist in einer Band und auch darüber hinaus noch ziemlich flauschig, abgesehen davon, dass er noch nie den König der Löwen oder die Rocky Horror Picture Show gesehen hat.
[7] E. ist An.s Bruder. Er ist Friseur, perfektionistisch und cool. Ich gehe nächste Woche mit ihm zu einer Vorstellung der Rocky Horror Picture Show. Er geht als Frank N. Furter und ich als Columbia. Es wird sicher episch.

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